Schlossgedanken

29. November 2009
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1. Adventsmail

von checkpoint in Schlossgedanken

Hallo vom Schloss!

Ja, natürlich ist uns klar, dass es damals noch keine E-Mails gab. Wir wissen auch nicht, ob sich alles so zugetragen hat, wie wir es schreiben, aber wir möchten in den Adventswochen einen tieferen Blick auf die Weihnachtsgeschichte werfen und haben uns Gedanken gemacht darüber, was die Personen der Weihnachtsgeschichte sich wohl gedacht haben. Deshalb leiten wir euch einfach mal die mails weiter -  und wünschen euch eine gesegnete Adventszeit!

An: Elisabeth
Von: Maria

Hey Mädel!

Du wirst nie erraten, was mir passiert ist, nicht in einer Million Jahre! Eigentlich wollte ich es dir persönlich erzählen, wenn wir uns wiedersehen, aber ich kann nicht warten. Ich habe eine wunderbare und schreckliche Zeit hinter mir. Josef hat meinem Vater gesagt, die Hochzeit ist abgeblasen. Das ist der schreckliche Teil. Und jetzt erzähl ich dir vom anderen Teil.

Kannst du dich noch erinnern, als wir klein waren, hat Mutter immer gesagt, wir müssen brav sein, ordentlich und rein leben, und dann würde Gott irgendwann den Messias senden. Und wenn wir keine braven Mädchen sind, sucht Gott sich wen anderen. Und wir haben sie immer heimlich ausgelacht.

Lisi, es ist  passiert! Gott hat einen Engel zu mir geschickt! Er war wunderbar, Lisi, einfach nur wunderbar! Zuerst war er so groß wie der Tempel. Ein Riese. Dann, ich glaube, er hat gesehen, dass ich mich gefürchtet habe, war er plötzlich so groß wie ein Mann, größer als Vater, aber nicht so groß wie Josef.

Er war ganz weiß gekleidet und lächelte mich an. Er hatte das freundlichste Lächeln, das ich je gesehen habe, und Lisi, er roch irgendwie nach Zucker. Kannst du dich noch an die Mutter von Deborah erinnern? Sie hat doch immer diese Kuchen mit Zucker und Honig für uns gebacken. So riechen also Engel. 

Er schaute mich an – und das musst du mir glauben – er schaute mich an, als würde er mich bewundern, so, als hätte ich irgendetwas Besonderes getan. Er sagte, dass Gott mich liebt. Er sagte, dass Gott entschieden hat, dass ich den Messias zur Welt bringen werde. Er sagte, ich sei die Eine. Er sagte, ich sei schwanger.

Lisi, du kannst dir gar nicht vorstellen, wie das war!

Ich habe ihm erklärt, dass ich das falsche Mädchen bin. Ich liebe Josef, aber er und ich… wir haben noch nie… du weißt schon…

Dann sagte der Engel, ich sei wirklich schwanger und dass der Heilige Geist der Vater sei.

Lisi, und in diesem Moment habe ich das Baby in meinem Bauch gefühlt. Ich wusste, dass der Engel recht hatte und wir beide waren von einem Licht umgeben. Es war fast so, als könnte ich das Licht berühren. Und dann dieses Licht in mir drinnen. Ich wusste, er sagte die Wahrheit.

Lisi, ich bin es! Ich bin die Eine. Ich werde den Messias zur Welt bringen! Ich versteh das ja auch nicht ganz, aber es ist so.

Natürlich habe ich es sofort Josef erzählt  – und ich habe ihn noch nie so wütend gesehen. Er ging zu meinem Vater und hat die Verlobung aufgelöst. Vater war genauso wütend wie Josef und sagte Mutter, dass ich vermutlich gesteinigt werde, wenn ich in der Stadt bleiben würde… also hat Mutter vorgeschlagen, dass ich zu dir komme.

Lisi, was soll ich jetzt nur machen? Es tut mir so leid wegen Josef. Er ist so wütend, und ich verstehe ihn ja auch. Er muss ja denken, dass ich…mmh… Vielleicht kommt der Engel ja noch zu ihm und erklärt ihm das alles. Das würde die Sache um einiges leichter machen! Aber Gott wird sich schon darum kümmern!

Auf der einen Seite bin ich total traurig, auf der anderen Seite fühle ich eine unbeschreibliche Freude. Ich fühle die Liebe, die dieses Kind ist; ich kann es in meinem Herzen fühlen. Jedesmal, wenn ich an Josef denke, scheint mein Herz zu brechen, und dann berührt das Kind mein Herz, tröstet mich und scheint mein Herz wieder ganz zu machen.

Bitte bete für mich, Lisi. Ich kann auch nicht verstehen, warum das passiert. Aber ich will auch jetzt Gott vertrauen.

Wir sehen uns in wenigen Tagen, dann können wir das alles noch in Ruhe besprechen.
Bis dann,

Deine Maria


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